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Was wurde an der Klimakonferenz in Glasgow beschlossen?

Die 26. UN-Klimakonferenz (COP26) fand vom 31. Oktober bis 12. November 2021 in Glasgow in Schottland statt. Wie auf den vorangegangenen Klima-COPs wurde das Ziel und Massnahmen zur Begrenzung der Erderwärmung verfolgt. Neben dem wichtigen Bekenntnis zum Ausstieg aus der Kohleverbrennung wurden die Regeln für Artikel 6, der für Klimaschutzprojekte und die CO₂-Märkte relevant ist, beschlossen.

Die Ausgangslage vor der 26. UN-Klimakonferenz in Glasgow 

2015 beschloss die weltweite Staatengemeinschaft das Pariser Klimaabkommen, das 2021 in Kraft trat und damit das Kyoto-Protokoll ablöste. Das Paris Agreement hat zum Ziel, die Erderwärmung im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter auf deutlich unter zwei Grad Celsius zu begrenzen, möglichst sogar auf unter 1,5 Grad. Sowohl Industrie- als auch erstmals Schwellen- und Entwicklungsländer müssen dazu nationale Selbstverpflichtungen (Nationally Determined Contribution NDC) ausarbeiten und sich diesen verpflichten. Gemäss den Vereinten Nationen müssen die Klima-Emissionen im Jahr 2030 um 45 Prozent im Vergleich zu 2010 gesenkt werden, um die globale Erwärmung deutlich unter zwei Grad zu halten.  

Ursprünglich war die COP26 in Glasgow für 2020 geplant, musste aufgrund der Covid-Pandemie jedoch auf Herbst 2021 verschoben werden. 

 

Was wurde an der Klimakonferenz in Glasgow beschlossen? 

Das übergreifende Ziel dieser Klimakonferenz der Vereinten Nationen war, weiter am  1,5-°C-Ziel des Pariser Abkommens festzuhalten. Dafür sollten die wichtigsten Regeln für effektiven Klimaschutz bestimmt und Massnahmen zum Erreichen der Ziele in die Wege geleitet werden. Als entscheidender Bestandteil hatten die Teilnehmenden  das Regelbuch des Pariser Klimaabkommens zu komplettieren und zu operationalisieren.  

Zwei Kapitel standen noch aus, um das Pariser Regelbuch («Paris Rulebook») fertigzustellen 

Einerseits wurden in Glasgow die konkreten Regeln definiert, um die Reduktion von Treibhausgasemissionen einheitlich zu dokumentieren, diese transparent zu kommunizieren und Doppelzählungen («Double counting») zu vermeiden (siehe unten). Zudem haben die Vertragsstaaten Regeln für den internationalen Handel von Emissionsreduktionen und damit für Klimaschutzprojekte relevanten Artikel 6 verabschiedet, der Emissionsverminderungen zwischen Staaten (6.2) und Staaten und Privaten (6.4.) bestimmt.  

 

Folgende weiteren Massnahmen und Regelungen wurden beschlossen 

  • Kohleausstieg: Zum ersten Mal an einer Weltklimakonferenz haben sich alle Staaten auf eine beschleunigte globale Energiewende weg von der Kohleverbrennung geeinigt. Der Ausstieg aus der Kohleverbrennung soll eingeleitet werden. 
  • Klimaschutzpläne: Um die Erderwärmung zu begrenzen, sollen die Vertragsstaaten ihre nationalen Klimaziele bis 2030 schon im Jahr 2023 nachbessern. 
  • Klimafinanzierung: Zugesagte Gelder für Klimaschutz und Anpassungen an den Klimawandel sollen gezahlt werden, Entwicklungsländer sollen mehr Geld für Anpassung an den Klimawandel aufwenden können. 
  • USA-China-Pakt: Die gemeinsame Arbeitsgruppe beider Seiten will gemeinsam Lösungen für den Umbau zu einer klimaneutralen Weltwirtschaft beisteuern. 
  • Weitere Ergebnisse: Zudem wurden einige weitere Initiativen gestartet oder ausgebaut, welche allerdings nicht rechtlich bindend sind. So haben 130 Staaten eine Deklaration unterschrieben, die den Stopp der weltweiten Abholzung bis 2030 anstrebt. Einige Länder haben erklärt, kein Erdöl und Erdgas mehr im Ausland fördern zu wollen. Die Initiative von US-Präsident Joe Biden, weniger Methan auszustossen, ist ausgeweitet worden. Abschliessend hat eine Gruppe von Staaten die Beschleunigung des Endes von Verbrennungsmotoren in Autos vereinbart.  

 

Welche Neuerungen gibt es für den Artikel 6 seit der COP26? 

Der Artikel 6 des Pariser Abkommens öffnet die Möglichkeit, dass Länder zur Erreichung ihrer jeweiligen nationalen Klimaziele (NDC) eine «freiwillige Zusammenarbeit» mit anderen Ländern eingehen. In Glasgow wurden nun  Umsetzungsregeln von Artikel 6 des Paris-Abkommens beschlossen. Diese konkreten Rahmenbedingungen und verbindlichen Regeln waren sechs Jahre lang hart und kontrovers verhandelt worden. Die Verabschiedung des Regelwerks bedeutet einen wichtigen und grossen Schritt für die Zukunft von Klimaschutzprojekten wie sie myclimate unter anderem für Privatpersonen und Unternehmen als konkrete, sofort wirkende Ausgleichsmassnahme für eigene, nicht zu verhindernde CO2-Emissionen anbietet. (Siehe hierzu auch das Erklärvideo weiter oben). 

Bisher, zurückgehend auf die Regeln des Kyoto-Protokolls, finanzierten Staaten oder Unternehmen Klimaschutzmassnahmen in Form von Klimaschutzprojekten in Entwicklungs- oder Schwellenländern. Diese vermindern nachweislich den Ausstoss von CO2-Emissionen und generieren dadurch handelbare CO2-Zertifikate. Diese so genannten Emissionsreduktionszertifikate (Certified Emission Reductions, CERs) können auf internationalen Kompensationsmärkten gehandelt und übertragen werden. Das heisst, bislang konnten Staaten oder Private sich die dadurch entstehenden Emissionseinsparungen durch ihre Finanzierung selber gutschreiben.  

Neu regelt der Pariser Artikel 6.2 die direkte zwischenstaatliche Kooperation, also den Handel von Emissionsminderungszertifikaten zwischen zwei oder mehreren Staaten. Eine zweite Möglichkeit der Kooperation ist der «Mechanismus zur Vermeidung von Treibhausgasemissionen und zur Förderung nachhaltiger Entwicklung» (Artikel 6.4). Artikel 6.4 regelt damit die Nachfolge des Clean Development Mechanism (CDM) aus dem Kyoto-Protokoll. Die wichtigsten Standards des freiwilligen CO2-Marktes wie der Gold Standard können nun Regeln angelehnt an die Rahmenbedingungen von 6.4 festlegen. Geprüft werden soll dies von einem noch zu schaffenden UN Supervisory Body (zukünftiger Nachfolger des CDM Executive Board, EB). 

Unter beiden Artikeln sind klare Qualitätsanforderungen an die Projekte definiert. Diese fokussieren zum Beispiel auf die Umweltintegrität, Transparenz und eine nachhaltige Entwicklung. 

Zertifikate des freiwilligen Marktes aus der Zeit des Kyoto-Protokoll sind nur gültig, wenn sie ein Ausstellungsdatum von 2020 oder älter haben. Zertifikate jüngeren Datums fallen bereits unter das Regelwerk des Pariser Klimaschutzabkommens. 

 

Wie sollen durch “Corresponding Adjustments” Doppelzählungen verhindert werden? 

Ein wichtiges Ziel des Regelwerkes ist es, eine Doppelzählung von Emissionsminderungen zu verhindern. Die Vertragsstaaten haben sich deshalb auf Regeln geeinigt, welche eine doppelte Anrechnung von im Ausland erzielten Emissionsminderungen zwischen Staaten ausschliessen. Dazu benötigen diese Zertifikate – neu Internationally Transferred Mitigation Outcomes (ITMOs) genannt – stets ein „Corresponding Adjustment“. Dies bezeichnet einen neu geschaffenen Mechanismus, der durch ein transparentes Verfahren und korrekte Buchhaltung nachweisen soll, dass eine Doppelzählung – im Englischen “Double Counting” – respektive eine doppelte Beanspruchung («Double Claiming») ausgeschlossen werden kann.  

Von einer Doppelzählung würde man sprechen, wenn zwei Parteien ein und dieselbe Emissionsreduktion für ihre jeweiligen Klimaziele zählen. Zum Beispiel, wenn ein Land wie die Schweiz sowie das Land, indem ein Klimaschutzprojekt umgesetzt wird, die erwirkten CO2-Reduktionen für sich zählen. Um diese Doppelzählung von Emissionsreduktionen zu verhindern, treffen Länder untereinander Abkommen. In diesen Durchführungsabkommen werden mit den oben erwähnten "Corresponding Adjustments" sichergestellt, dass die CO2-Reduktionen vom nationalen Treibhausgasinventar des Landes, in dem das Klimaschutzprojekt umgesetzt wird, abgezogen werden.  

Von Double Claiming anstelle von Double Counting würde man bei Projekten unter Artikel 6.4 sprechen. Wenn also ein Land und ein privater Akteur – wie beispielsweise myclimate – kein Abkommen miteinander haben, könnten beide die CO2-Reduktionen für sich beanspruchen. In einem solchen Fall könnte dies die Ambition des Landes, in dem das Projekt stattfindet, schmälern.  

Die Corresponding Adjustments in Artikel 6 sind für den freiwilligen CO2-Markt vor allem aber auch wichtig, damit sich beispielsweise ein Unternehmen auch in Zukunft «klimaneutral» nennen darf. Das bedingt die alleinige Anrechnung beim Unternehmen und die Entfernung der Emissionsminderung aus der jeweiligen Buchhaltung des Projektlandes. 

 

Wie geht es nach der Klimakonferenz in Glasgow weiter? 

An der COP26 in Glasgow wurden alle Staaten dazu aufgefordert, ihre nationalen Klimaziele und Massnahmen bis Ende 2022 zu überarbeiten. Das Ziel, die Erwärmung deutlich unter zwei Grad zu halten, wird weiterhin verfolgt. Die weltweiten Emissionen sollen bis 2030 um 45 Prozent im Vergleich zu 2010 gesenkt werden. Die Folgekonferenz COP27 soll vom 7. bis 18. November 2022 im ägyptischen Scharm El-Scheich stattfinden. Sie steht unter dem Motto "Gemeinsam für eine gerechte, ambitionierte Umsetzung JETZT". 

 

Was bedeuten die Ergebnisse von Glasgow für die Zukunft der freiwilligen Kompensation? 

In Glasgow wurden die entscheidenden Umsetzungsregeln für die freiwillige CO2-Kompensation verabschiedet. Es herrscht nun Klarheit über die Umsetzung des Pariser Abkommens. Die Wichtigkeit internationaler Zusammenarbeit im Klimaschutz und die Bedeutung marktbasierter Ansätze sowie der freiwilligen Beiträge von Wirtschaft und Gesellschaft wurden dadurch noch gestärkt. Das heisst, dass gemäss des Paris Rulebook, das in Glasgow verabschiedet wurde, in Zukunft nach einer noch zu definierenden Übergangszeit, Klimaneutralität nur noch geclaimt werden kann, wenn man Klimaschutzprojekte mit Corresponding Adjustments unterstützt. 

Weitere Informationen zur zukünftigen Entwicklung der freiwilligen CO2-Kompensation und der "Klimaneutralität" lesen Sie hier. 

 

Quellen: 

https://www.carbon-mechanisms.de/grundlagen/das-uebereinkommen-von-paris-und-dessen-artikel-6 

https://www.ey.com/de_de/decarbonization/freiwilliger-markt-fuer-co2-kompensation-im-umbruch  

https://www.carbonbrief.org/in-depth-q-and-a-how-article-6-carbon-markets-could-make-or-break-the-paris-agreement  

https://carbonmarketwatch.org/2021/12/10/faq-deciphering-article-6-of-the-paris-agreement/#article-6-intro  

https://www.uvek.admin.ch/uvek/de/home/uvek/medien/medienmitteilungen.msg-id-85865.html  

https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/klima/dossiers/klimakonferenz-glasgow-cop26.html  

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