myclimate Stellungnahme – Weltklimavertrag als historischer Meilenstein

Der Pariser Weltklimavertrag ist tatsächlich ein historischer Meilenstein des globalen Klimaschutzes. Die myclimate Geschäftsführer René Estermann und Stefan Baumeister waren auf der Konferenz in Paris anwesend und haben die Verhandlungen, die Fallstricke und Fortschritte bis zum Abkommen verfolgt. In einer ersten Stellungnahme bewerten sie anhand von sechs Fragestellungen das Paris-Abkommen und dessen Auswirkungen auf die Welt, die Zukunft und Europa.

Die myclimate Geschäftsführer Stefan Baumeister und René Estermann mit einer Stellungnahme zum Pariser Klimaabkommen

Die Gründervision von myclimate, die „low-carbon-society“ wird nun im globalen Klimavertrag von allen Ländern angestrebt. Der völkerrechtlich bindende Vertrag geht sogar noch weiter, das festgelegte Ziel lautet „zero-net carbon“ ab 2050. Nicht allein der Vertrag, auch und gerade der in Paris herrschende Geist und Esprit ist fantastisch. Und da beginnt die grosse Aufgabe und Herausforderung für die kommenden Jahre und Jahrzehnte: Diesen Geist müssen alle mit nach Hause nehmen und dort die für das Erreichen der Ziele nötigen konkreten Massnahmen umsetzen.

Was wurde im Weltklimavertrag in Paris vereinbart?

Alle 195 Länder unserer Welt haben vereinbart, Massnahmen zu treffen, um die Erderwärmung auf deutlich unter 2°C zu limitieren. Es sollen ausdrücklich sogar Anstrengungen unternommen werden, um sogar das „1.5°C Ziel“ noch zu erreichen. Damit soll den schlimmsten Auswirkungen der Erderwärmungen vorgebeugt werden.
Der Pariser Weltklimavertrag ist ein völkerrechtlich verbindlicher Vertrag. Die Länder werden individuelle nationale Klimapläne realisieren, welche alle fünf Jahre im Rahmen der UNO gecheckt und allenfalls verschärft werden. Bereits 188 Länder haben solche Pläne bei der UNO eingereicht. Durch die Summe der Ziele dieser bisher eingereichten Pläne würde jedoch erst knapp die Hälfte des 2°C-Ziels erreicht werden. Das bedeutet: Die konkreten Anstrengungen zur Reduktion der Treibhausgase in allen Ländern müssen noch massiv intensiviert werden.
Ab der zweiten Hälfte des Jahrhunderts soll die globale Klimaneutralität erreicht werden. Maximal so viele Emissionen dürfen noch ausgestoßen werden, wie mit zusätzlichen Reduktionsmaßnahmen, zum Beispiel durch Wiederaufforstung von Wäldern, wieder gebunden werden.
Die Industrieländer werden die Entwicklungsländer im Kampf gegen den Klimawandel und bei einer sauberen technologischen Entwicklung finanziell unterstützen. Das bedeutet eine jährliche Zahlung von 100 Milliarden US-Dollar in den GreenClimateFund. Diese soll zudem ab 2023 überprüft und allenfalls erhöht werden. Auch für die Aufarbeitung von Schäden und Anpassungsmaßnahmen an den voranschreitenden Klimawandel wurden ein separater Fund und eine Versicherungslösung geschaffen.

Was ist neu zu vorher?

Die gemeinsame Wahrnehmung, dass es ein Problem gibt, und das Bekenntnis zu einer gemeinsamen globalen Problemlösung an der Quelle sind neu. Vorher wurde die Problemlösung stets entweder auf einen späteren Zeitpunkt verschoben oder gleich ganz auf „Andere“ abgewälzt. Jetzt, nach Paris, muss die Dekarbonisierung von Wirtschaft und Energieversorgung schnellstmöglich angepackt und umgesetzt werden. Der Klimavertrag von Paris, das 2°-Ziel und sogar die Verstärkung der Ambition hin zu 1.5°C sind völkerrechtlich bindend für alle Länder.
Die gewaltigen und teils zerstörerischen Auswirkungen einer Klimaerwärmung von über 1.5°C sollen nicht einfach hingenommen werden. Vielmehr soll in einem gemeinsamen Kraftakt der Einsatz neuer CO₂-freier oder reduzierender Technologien massiv ausgebaut werden.

Was sind die Folgerungen daraus?

Der Pariser Klimavertrag ist der verbindliche Einstieg in den Ausstieg aus der Nutzung fossiler Energien! Eine weitgehende Dekarbonisierung der Wirtschaft und Energiesysteme wird in den nächsten Jahrzehnten erfolgen.
Der Pariser Klimavertrag ist auch ein ganz klares und starkes Signal an die Wirtschaft und Finanzmärkte. Diese werden als Folge des Vertrags künftig beträchtliche Investitionen weg von den fossilen hin zu sauberen Energien lenken (müssen). Für die weltweite Wirtschaft ergeben sich daraus beträchtliche Marktchancen, neue Tätigkeitsfelder und viele neue Jobs.
Der Transformationsprozess braucht weltweit beträchtliches Engagement und Investitionen. Eine Gebühr auf sämtlichen Treibhausgasemissionen getreu des Verursacherprinzips „polluters pay“ ist erforderlich. Wie es sich bestens bei der Abfall- und Abwasserwirtschaft bewährt hat, müssen diese Gebühren zweckgebunden zur Finanzierung dieses Transformationsprozesses eingesetzt werden.

Klimaneutralität jetzt?

Die Welt visiert mit dem Pariser Klimavertrag de facto eine Klimaneutralität per 2050 an. In der Wirtschaft realisieren immer mehr Firmen freiwillig jetzt schon diese Strategie der Klimaneutralität. Auch in Paris hat die UNO „climate neutral now!“ postuliert.
Umso mehr als die Preise für fossile Energien derzeit unglaublich tief sind und wohl auch bleiben, da das Angebot die Nachfrage übersteigt. Wenn der „Pariser Ausstiegsentschluss“ weltweit umgesetzt wird, wird sich diese Situation des Überangebotes fossiler Energien, die zur Erreichung des 2°-Zieles zu einem beträchtlichen Teil im Boden bleiben müssen, wohl noch stärker akzentuieren. Klimaneutralität kostet trotzdem deutlich weniger als die beträchtlichen Einsparungen durch die tiefen Fossilenergiepreise.

Wo lauern Schwierigkeiten bei der Umsetzung?

Politische Prozesse konkret umzusetzen dauert lange. Der Transformationsprozess ist gewaltig, das weckt Sorgen, Ängste und Widerstände. Deshalb ist nicht nur das Papier, der Klimavertrag von Paris, so eminent wichtig. Der Klima-Esprit von Paris, der gemeinsame Wille der Leader aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Wissenschaft die Zukunft zu dekarbonisieren, welcher überall greifbar und spürbar war. Ob sich der OECD-Chef Angel Gurria vehement für ‚Stopp fossil Funding’ einsetzte, oder ob unser myclimate Patron und Chef der internationalen Energieagentur IEA Fatih Birol als einer der eifrigsten Botschafter eines radikalen Umbaus der Energiewirtschaft fungierte, das offizielle COP-Konferenzmotto “We must, we can and we will!” hat eine regelrechte Euphorie entfacht.
Nun gilt es so viel wie möglich dieser positiven Energie nach Hause zu nehmen und hier im Alltag stetig und konsequent die Dekarbonisierung anzupacken und umzusetzen. Wir können dabei nur gewinnen!

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