Die Renaturierung von Mooren ist ein wichtiger Baustein im Klimaschutz

Im Gespräch mit myclimate erklärt Ute Ojowski, warum die Renaturierung von Mooren für den weltweiten Klimaschutz so wichtig ist. Sie ist Geschäftsführerin der Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein GmbH und Mitglied im geschäftsführenden Vorstand der Stiftung Naturschutz Schleswig Holstein.

Unsere Interviewpartnerin Ute Ojowski. Sie ist Geschäftsführerin der Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein GmbH und Mitglied im geschäftsführenden Vorstand der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein.

Sinnvolle Klimaschutzprojekte gibt es nicht nur im globalen Süden, sondern auch in Deutschland direkt vor unserer Haustüre. Denn mit der Renaturierung von Mooren lassen sich große Mengen an Kohlenstoff binden. Warum ist das so, Frau Ojowski? Was hat die Renaturierung von Mooren mit Klimaschutz zu tun?

Ute Ojowski: Intakte Moore speichern doppelt so viel Kohlenstoff in ihren Torfen, wie in den Wäldern weltweit enthalten ist. Wird ein Moor mit seinen Torfen entwässert, wird aus dem Kohlenstoffspeicher eine Treibhausgasquelle. Denn durch die Entwässerung setzen Abbauprozesse der Torfe ein. So entweicht CO2 in die Atmosphäre. Die Renaturierung von Mooren wirkt diesen für das Klima negativen Prozessen entgegen. Und die Moore können ihre Kohlenstoffspeicherfunktion wieder erfüllen.

 

Über die Webrechner von myclimate auf www.myclimate.de/kompensieren, können Nutzerinnen und Nutzer u.a. das deutsche Klimaschutzprojekt «Moore als Klimaschützer: Renaturierung des Königsmoores in Schleswig-Holstein» unterstützen. Worum geht es bei diesem Projekt, Frau Ojowski?

Ojowski: Das Königsmoor in Schleswig-Holstein wurde im Verlauf des 20. Jahrhunderts durch Gräben und Drainagen stark entwässert, um es als Grünland intensiv nutzen zu können. Durch dieses hochwertige Klimaschutzprojekt wird ein Teil des einzigartigen Königsmoores in Schleswig-Holstein renaturiert. Durch Vernässung kann sich hier langfristig wieder eine typische Hochmoorvegetation bilden. Dadurch wird Kohlenstoff effizient gebunden und es entsteht ein wertvoller Lebensraum für viele bedrohte Arten – direkt vor unserer Haustür. Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein hat bisher ca. 630 Hektar des insgesamt 1.200 ha großen Areals für den Naturschutz gesichert. Das darin eingebettete MoorFutures-Projekt umfasst eine Teilfläche von 68 ha.

 

MoorFutures ist ein eingetragener Markenname. Wofür steht er?

Ojowski: MoorFutures sind Klimaschutzzertifikate für den freiwilligen Kompensationsmarkt für Treibhausgas-Emissionen. Sie sind Vorreiter für Klimaschutzprojekte in Mooren.
Ein MoorFutures steht für eine Tonne nicht-emittierten Kohlenstoffdioxids. Die Zertifikate richten sich an Privatpersonen, Unternehmen und Institutionen, die ihren ökologischen Fußabdruck verkleinern wollen, indem sie nicht vermeidbare Treibhausgas-Emissionen kompensieren. Der MoorFutures-Standard garantiert Qualität und Vertrauenswürdigkeit der Marke und des Prozesses – sowohl für die Käuferinnen und Käufer als auch für die MoorFutures-Projekte selbst.

 

Lassen Sie uns zurückkommen zum Klimaschutzprojekt «Moore als Klimaschützer: Renaturierung des Königsmoores in Schleswig-Holstein». Welche Fortschritte konnten Sie bisher mit dem gekauften Areal erreichen?

Ojowski: Mit dem Erwerb der Flächen hat die Stiftung Naturschutz in einem ersten Schritt auf extensive Nutzung ohne Düngung und Grünlandpflege umgestellt. Die negativen Wirkungen der Entwässerung – wie Zersetzung des Torfes und damit Entweichung von klimaschädlichen Gasen – lassen sich dadurch jedoch nicht aufhalten bzw. rückgängig machen, sodass nach und nach umfangreiche Maßnahmen zur Wiedervernässung auf bisher insgesamt ca. 225 ha in verschiedenen Bauabschnitten zwischen 2012 und 2018 umgesetzt werden konnten.

Das MoorFutures-Projekt ist ein Baustein innerhalb großflächiger Wiedervernässungen im Königsmoor, über den die Wiedervernässung der 68 ha großen Teilfläche realisiert wird. Nachdem bspw. der erste Teilbereich von 20 ha des MoorFutures-Projekts Anfang 2015 vernässt wurde, brüten bereits die ersten Kiebitz-Paare auf den frisch abgeschobenen, noch vegetationslosen Offenbodenflächen.

Im Dezember 2015 begann der zweite Bauabschnitt, diesmal wurden auf den verbliebenen rund 48 ha der MoorFutures-Fläche Drainagerohre entfernt und Entwässerungsgräben verschlossen. Insgesamt wurden in beiden Bauabschnitten zusammen 5600 m Verwallungen gebaut, damit künftig das Oberflächenwasser auf der Fläche verbleibt. Durch das Anheben des Wasserstands werden die Torfe im Moor konserviert und die Torfzersetzung vermindert oder gestoppt. Zu den Fortschritten der Renaturierung wird in Kürze der 1. Monitoring-Bericht veröffentlicht, der gerade beim wissenschaftlichen Beirat zur Prüfung vorliegt.

 

Das klingt sehr gut! Und das schöne ist ja, dass durch die Renaturierung der Moore nicht nur das Klima profitiert, sondern auch die Fauna & Flora in diesem Gebiet, wie Sie bereits erwähnt haben.

Ojowski:Ja, das ist richtig! Auch seltene, oftmals gefährdete moortypische Tiere, wie bspw. die Libellenart Hochmoor-Mosaikjungfer, die Schnepfenvogelart Bekassine, das Blaukehlchen, der Wachtelkönig, die Wasserralle und der Moorfrosch profitieren davon. Schon nach kurzer Zeit sind viele moortypische Pflanzen und Tiere zurückgekehrt.

 

Gibt es weitere Flächen, die Sie aktuell für eine Renaturierung in Planung haben?
Ja. Aktuell ist in Schleswig-Holstein ein zweites MoorFutures-Projekt zur Wiedervernässung von weiteren ca. 30 ha im Jahr 2022 in Vorbereitung.
 

 

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Ojowski.

 

Mehr Infos zum thematisierten Projekt gibt es hier.

 

Das Moorprojekt können Sie über folgende Spendenrechner von myclimate unterstützen: Flug-Webrechner, Auto-Webrechner, Kreuzfahrt-Webrechner, Fußabdruck-Webrechner, Haushalt-Webrechner, Firma-Webrechner und Event-Webrechner.

 

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